Sozialversicherung in Schweden
Gegründet wurde die schwedische Sozialversicherung in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals setzte in Schweden die Industrialisierung ein. Viele Menschen, insbesondere Handwerker und Bauern, verließen ihre angestammten Arbeitsplätze und begannen in den Fabriken zu arbeiten. Die Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit waren katastrophal. Die Arbeit in der Industrie war schwer, schmutzig und gesundheitsgefährdend. Die Menschen lebten unter verheerenden Wohnbedingungen. Einen gesetzlichen Schutz der Arbeiter gab es nicht.
Vor Beginn dieser Industrialisierung generierten die Menschen ihre Einkünfte in erster Linie mit dem Tausch von Waren. Geld war zwar vorhanden, spielte aber eher eine untergeordnete Rolle.
Sozialversicherung in Schweden
Mit dem Beginn der Fabrikarbeit änderte sich dies radikal. Hatte man in früherer Zeit gewisse Bestände an Lebensmitteln eingelagert, die einem auch im Fall von Krankheit einen gewissen Überlebensspielraum gaben, so geriet man jetzt immer mehr in die Abhängigkeit der monatlichen Bargeldzahlungen der Fabrikbesitzer. Die Gefahr bei Krankheit, Arbeitsunfällen und hohem Alter in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu geraten, stieg mehr und mehr an. In Zeiten der wirtschaftlichen Krise setzte eine massive Massenarmut unter der schwedischen Bevölkerung ein, begleitet von einem Anstieg der Sterbefälle durch armutsbedingte Faktoren. In dieser Zeit begannen sich die Menschen zusammen zu tun. In so genannten Krankenhilfskassen wurden Rücklagen geschaffen um in Notzeiten nicht ganz ohne Schutz dazustehen. In den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, wurden diese Vereinigungen auch vom Staat anerkannt, und bekamen von da an auch staatliche Unterstützung. Mitte der 50er-Jahre entstand die uns heute bekannte Versicherungskasse.
War die Mitgliedschaft bisher freiwillig, so wurde sie jetzt obligatorisch. Jeder der in Schweden wohnte oder arbeitete, wurde von der Sozialversicherung erfasst. Der Leitgedanke war und ist das jeder Einwohner Schwedens sich mit Steuern und Abgaben an diesem System beteiligte und somit das Recht bekam im Bedarfsfall von dieser Gemeinschaft zu profitieren. Die Sozialversicherung deckt alle im sozialen Bereich entstehende Notfälle ab.
Sie umfasst das Krankengeld, einen Großteil der Arzneimittelkosten, die Rente ab dem 65. Lebensjahr, einen Ausbildungszuschuss, Wohngeld, deckt alle Eventualitäten des Berufslebens mit ab und unterstützt Familien mit Kindern und Behinderte. Einen Sonderfall stellt die Arbeitslosenversicherung dar. Dieses Thema wird in dem entsprechendem Kapitel ausführlich behandelt. Wenn Sie neu nach Schweden kommen geschieht die Anmeldung in der Sozial-Versicherungskasse automatisch mit der Meldung beim Finanzamt und der Erteilung der Personennummer. Die Beiträge für die Sozialversicherung werden in Schweden mit der Steuer erhoben. Vor diesem Hintergrund relativiert sich auch der relativ hoch erscheinende Steuersatz in Schweden.
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