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Weiße Nächte in Schweden

Etwas das man in Deutschland ebenfalls nicht kennt, sind die berühmten weißen Nächte. Durch seine relative Nähe zum Nordpol weist Schweden einige Besonderheiten in Bezug auf die Länge der Tage und Nächte im Sommer und Winter auf. Bedingt durch den Einfallswinkel der Sonne kommt es im Sommer zur ungewöhnlich langen Tagen und im Winter zu ebenso langen Nächten. Dies ist einerseits ein Grund zur Freude, da man im Sommer seine Grill-Partys bis tief in die Nacht ausdehnen kann, bringt aber auch einige Nachteile mit sich.

Im Allgemeinen wird angenommen, dass man eher unter der relativen Dunkelheit des Winters leidet als unter den hellen Tagen des Sommers. Dies stimmt jedoch nur bedingt. In den Sommermonaten Mai, Juni, Juli und August wird es manchmal erst gegen 0.30 Uhr dunkel und schon um 1.30 Uhr wieder hell. In dieser Stunde der Dunkelheit, ist es auch nicht richtig dunkel sondern es herrscht ein Dämmerlicht vor. Die Sonne ist nur ganz knapp hinter dem Horizont verschwunden. Je weiter man sich nach Norden bewegt, umso stärker wird dieser Effekt.

Das bedeutet das im Sommer überhaupt nicht dunkel wird. In Lappland ist die Sonne, in den Sommermonaten, ständig zu sehen im Winter hingegen überhaupt nicht. Wenn man Urlaub hat und somit nicht arbeiten muss, ist dies ganz angenehm. Schwierig wird es, wenn man morgens um 5.30 Uhr aufstehen muss um zur Arbeit zu gehen. Unser menschlicher Körper wird ungemein vom Licht beeinflusst. Wenn man nun mitten in der Nacht aufwacht und sieht das ist draußen schon taghell ist, stellt sich der Körper darauf ein bald aufstehen zu müssen, obwohl es in Wirklichkeit 2 Uhr oder 2.30 Uhr ist.

Mir persönlich ging es so, dass ich nur sehr schlecht wieder einschlafen konnte und am Morgen völlig erschlagen zur Arbeit ging. Es reichte bereits, wenn das Licht durch Spalten der Verdunkelung hindurchdrang. Ebenso kann man am Abend sehr schlecht einschlafen. Dadurch das es bis Mitternacht hell ist, wird man einfach nicht richtig müde, obwohl der Körper völlig erschöpft ist. Dieser Effekt machte sich besonders im ersten Jahr in Schweden bemerkbar. Im zweiten Jahr, achteten wir darauf, dass unsere Schlafzimmerfenster absolut lichtdicht waren. Wenn Sie also nach Schweden kommen, besorgen Sie sich unbedingt gute Verdunklungen für die Schlafzimmer. Zu empfehlen ist ein schwarzes Rollo, über das man nach Bedarf noch dunkle Vorhänge zieht.

Die hellen Nächte bringen jedoch noch einige Annehmlichkeiten mit sich. Da alle Schweden im Sommer vier Wochen zusammenhängenden Urlaub haben, kann man durch das Tageslicht in der Nacht in wunderbarer Weise die schöne schwedische Natur genießen. So ist zum Beispiel Nachtangeln ohne spezielle Ausrüstung möglich. In der kurzen Zeit der relativen Dunkelheit, kann man es sich am Ufer des Sees an einem Feuer gemütlich machen und mit seinen Angelfreunden den frisch gefangenen Fisch und eventuell auch ein Schnäpschen genießen. In diesen Nächten ist auch besonders viel Wild aktiv. Wer sich mit einem Boot auf dem See befindet und sich ruhig verhält hat sehr gute Chancen den König der schwedischen Tiere, den Elch, zu treffen.

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Etwas größere Probleme bringen die langen und dunklen Winter mit sich. Der Winter beginnt in Schweden sehr früh. So haben wir es in Südschweden erlebt, dass man Ende August schon die ersten leichten Nachtfröste verzeichnen konnte. Dann kommt der Winter mit schnellen und großen Schritten. Spätestens Ende September haben alle Bäume ihr Laub verloren und es wird merklich kälter. Auch die Tage werden immer kürzer. In der Mitte des Winters wird es im mittleren Südschweden nur wenige Stunden am Tag hell. Obwohl man die Helligkeit an den meisten Tagen nicht als solche bezeichnen kann.

Weiße Nächte in Schweden

Weiße Nächte in Schweden @iStockphoto/Per-Olof Forsberg

Unser letzter Winter war von vielen Niederschlägen und leichten Plusgraden gekennzeichnet. Gegen 9 Uhr am Morgen, wurde es langsam hell und um 2.30 Uhr am Nachmittag begann es schon wieder zu Dunkeln. In der Zeit dazwischen war der Himmel grau und wolkenverhangen und man sah nur sehr selten die Sonne. Allerdings war der Winter in unserm ersten Jahr wunderschön. Den ganzen Winter über lag extrem viel Schnee, und die meiste Zeit schien die Sonne. Die kurzen Tage waren also sehr hell und die gesamte Situation einigermaßen erträglich.

Dieses ewige dunkle Wetter kostet richtig Kraft. Man hat oft schon um die Mittagszeit das Beduerfnis sich aufs Sofa zulegen und den Tag ausklingen zu lassen. Dabei muss man in Wirklichkeit noch mehrere Stunden arbeiten, danach die Einkäufe erledigen und sich um den Haushalt kümmern. Man merkt richtig, wie die gesamte Situation dauerhaft an den Kräften zehrt.
Winterdepressionen sind bei vielen Menschen an der Tagesordnung und Antidepressiva sind die meist verschriebenen Medikamente in Schweden. Damit es soweit nicht kommt, kann man einige Gegenmaßnahmen ergreifen. Wir hatten uns gleich zu Anfang so genannte Tageslicht-Lampen gekauft. Diese Lampen haben eine Leuchtstärke von etwa 10.000 Lux, blenden jedoch nicht. Eine solche Lampe stand bei uns auf dem Wohnzimmertisch und eine weitere direkt neben dem Monitor meines Computers.

Dieses Licht verändert den Stoffwechsel im Gehirn auf angenehme Weise. Wichtig ist, dass das Licht aus möglichst kurzer Entfernung auf den Körper einwirken kann. Einen ähnlichen Effekt erzielen regelmäßige Solariumsbesuche. Ein weiterer Tipp ist, sich mit Sport fit zu halten. Bewegen sie sich nach Möglichkeit viel an frischer Luft. Ganz schlecht wäre es, sich in der Wohnung zu vergraben. Dies würde Sie auf lange Sicht noch weiter schwächen.

Da die meisten schwedischen Wohnung über einen Kamin verfügen, machen Sie doch einfach aus der Not eine Tugend. Besorgen sich im Herbst von einem Bauern eine Ladung Kaminholz und verbringen sie die Abende mit einem Glas Glögg oder Glühwein bei Kerzenlicht vor dem knisternden Kaminfeuer.