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Mobbing in Schweden

Spätestens mit dem Beginn der Schulzeit macht jeder Schwede Erfahrungen mit Mobbing. Dieses Problem ist im Land weit verbreitet und zieht sich durch alle Bereiche des täglichen Lebens. Selbst große Firmen wie McDonalds haben sich der Problematik angenommen. Auf den Servierunterlagen der Tabletts tauchen in regelmäßigen Abständen Berichte über die Folgen von Mobbing und Aufforderungen zur Solidarisierung mit den Opfern auf. Auch in der Arbeitsstelle ist Mobbing allgegenwärtig.

Die Symptome reichen von gelegentlichen Ausgrenzungen bis zu Anschlägen auf Leben und Gesundheit wie ich es selbst erlebt habe. Kurz nachdem wir nach Schweden kamen, fand ich eine Anstellung in einer Metallgießerei. Zu Beginn wurde ich sehr freundlich aufgenommen. Die Firma war sehr modern und arbeiterfreundlich eingerichtet. Doch schon kurze Zeit später wurde mein Arbeitsschrank aufgebrochen. Mitgebrachte Getränke wurden gestohlen oder während der Abwesenheit ausgeschüttet. Mein Mittagessen, das ich von daheim mitgenommen hatte wurde mit Kaffee überschüttet oder ich fand es auch mal im Müllkorb wieder.

Etwas später wurde meine Arbeit sabotiert, was mich jedes mal in große Erklärungsnöte bei den Chefs brachte. Diese Sabotageakte gingen am Ende so weit, das mich nur ein großer Zufall davor bewahrte am ganzen Leib von flüssigem Metall überschüttet zu werden. Am Anfang schwieg ich zu den Vorgängen, da ich auf den Arbeitsplatz angewiesen war. Als die Diebstähle überhand nahmen, beschwerte ich mich bei den Chefs, die das Ganze jedoch nicht ernst nahmen. Nach dem Vorfall mit dem flüssigen Metall schaltete ich die Gewerkschaft ein, die in Schweden große Macht und Einfluss besitzt. Niemand half mir. Am Ende wurde mir betriebsbedingt gekündigt. Wie ich aus vielen Berichten weiß, ist mein Erlebnis kein Einzelfall.

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Mobbing

Mobbing @iStockphoto/Helder Almeida

Wegen der teilweise sehr monotonen Arbeit, wurden die Arbeitsplätze nach dem Zirkulationsprinzip unter den Angestellten regelmäßig getauscht. Als Ausländer hatte man keinen Anspruch daran teilzunehmen. So musste ich mehrere Monate an einer Presse arbeiten. Die Arbeitsbedingungen waren sehr schlecht. Der Arbeitsplatz war sehr heiß, die Atemluft sehr schlecht und die Arbeit selbst extrem eintönig. Erschwerend kam hinzu, dass man während des gesamten Arbeitstages auf exakt der gleichen Stelle stehen musste. Ohne auch nur die Chance zu haben die Füße in eine andere Position zu setzen. Seit dieser Zeit, habe ich Probleme mit meinen Fußgelenken. Als mir dann gekündigt wurde, traf ich einen ehemaligen Kollegen im privaten Rahmen. Er berichtete mir, das schwedische Kollegen maximal eine halbe Schicht dort arbeiten und dann abgelöst werden. Ich habe dies viele Monate aushalten müssen. In der Zeit vor dem Urlaub auch noch vier Wochen lang in Doppelschichten.

Wer nach Schweden kommt, muss damit rechnen genau solche Erfahrungen zu machen. Deutsche gehen noch halbwegs als ordentliche Menschen durch. Leute aus anderen Kulturkeisen bekommen schon bei der Einstellung nur sehr schlecht bezahlte Arbeitsplätze zugewiesen und führen überwiegend minderwertige Arbeiten aus. Unabhängig von deren Qualifikation und Sprachkenntnissen. Ich kenne einen iranischen Professor, der exzellent Schwedisch spricht und Zeit seines Lebens Taxi fahren musste. In meinem Fall bekam ein schwedischer Kollege der zur gleichen Zeit mit mir in der Firma begonnen hatte und der außerdem noch 18 Jahre jünger war als ich, für die gleiche Arbeit 50% mehr Gehalt.